Von Sascha Iffland, Stv. Vorsitzender

Der Schachklub Bickenbach ist mit großen Ambitionen in die Saison 2018/2019 gestartet. Im April des kommenden Jahres soll der Aufstieg in die Landesliga gefeiert werden. Um die Träume nicht bereits im Ansatz zu begraben, war am Sonntag (23.09.2018) zwingend ein Erfolg bei der dritten Mannschaft von Mörlenbach-Birkenau erforderlich. Dies war allerdings alles andere als selbstverständlich. Schließlich mussten die Bickenbacher an den Spitzenbrettern ohne ihre beiden Neuzugänge Patrick und Dominik Will auskommen, die urlaubsbedingt noch nicht zur Verfügung standen. Umso beachtlicher ist, dass der Saisonauftakt beim Meister des Vorjahres doch sehr deutlich gewonnen werden konnte. Doch danach sah es im spannenden Spielverlauf lange nicht aus:

Am 1. Brett hatte es das Bickenbacher Urgeistein Emil Müller mit einem starken Gegner zu tun, der sich auch durch eine ungewöhnliche Eröffnung von Müller nicht überraschen lies. Bald sah sich der Bickenbacher einer Turmverdopplung auf einer zentralen Linie ausgesetzt, konnte sich aber freischwimmen und Druck auf den schwarzen König aufbauen. Zwei weit aufgerückte Freibauern auf dem Königsflügel brachten schließlich die Entscheidung für Müller.IMG 4536

Am 2. Brett konnte Stefan Bludau nach einiger Zeit Pause ein erfolgreiches Comeback feiern. Sein junger aber sehr talentierter Gegner übersah im 9. Zug einen Einschlag auf h2, der Bludau einen Mehrbauern brachte und Angriff versprach. Allerdings konnte Bludau diesen Vorteil nicht verwerten und musste im weiteren Verlauf der Partei seine Dame aus Bedrängnis befreien. Verwundert rieben sich die Zuschauer die Augen, als Bludaus Gegner im 20. Zug seine Bedenkzeit bis auf 23. Sekunden verstreichen ließ. Nun musste er die nächsten 20 Züge mit nur noch 23. Sekunden auf der Uhr auskommen, was eigentlich unmöglich ist. Doch ihm gelang dieses Kunststück, ohne die Partie vollständig wegzuwerfen. Im dann folgenden Endspiel konnte Bludau seinen jetzt auf zwei Bauern angewachsenen Vorteil sicher verwerten.

Am Brett 3 präsentierten die Bickenbacher ihren Neuzugang Martin Jurisch, der in den 90er Jahren bereits in der 2. Bundesliga aktiv war, nun aber lange keine Turnierpartie gespielt hatte. Jurisch kam im frühen Mittelspiel etwas unter Druck und musste seinen König bei geöffneter Bauernstellung früh nach f2 ziehen. Diese Situation bekam er allerdings durch Abtausch einiger gefährlicher Figuren schnell in den Griff und konnte eine gefährliche Initiative am Damenflügel aufbauen. Diese kostete seinen Gegner bald einen Läufer, dann einen Turm und schließlich die Partie.

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Der erst vierzehnjährige Jonas Riemann konnte seine Partie an Brett 4 siegreich gestalten. Riemann entfaltete einen starken Bauernsturm am Damenflügel, der die Figuren seines Gegners immer weiter lähmte. Dieser musste schließlich einen Turm für einen Läufer geben, was Riemann in einer lang andauernden Partie sicher zum Sieg verwertete.

Am 5. Brett konnte Ralf Horlebein die Partei durch geschickte Wahl der Eröffnung schnell in ihm bekannte Stellungsbilder lenken. Allerdings gelang es seinem Gegner, alle vier Springer abzutauschen und die Partie symmetrisch zu gestalten. Da beiden Spielern bereits im 20. Zug die Ideen ausgingen, verständigten sie sich schnell auf ein Remis.

Hubert Priemer führte seine Partie am 6. Brett in eine geschlossene Stellung, in der er sich offenbar sehr wohl fühlt. Ein Gewühle von Bauern umspannte das gesamte Brett. Während Priemer das erste Remisangebot seines Gegners noch kämpferisch ablehnte, willigte er wenig später bei bereits feststehendem Bickenbacher Gesamtsieg in das Remis ein.

Die Zuverlässigkeit in Person, Klaus Schmidt, spielt seit über 40 Jahren für Bickenbach, diesmal an Brett 7. Schmidt konnte nach taktischem Abtausch und Zwischennehmen der Dame (Ablenkung) zunächst einen Läufer gewinnen. Zwar meinte sein Gegner, den Läufer zurück erobern zu könIMG 4534nen, doch nach diesem Gegenschlag konnte Schmidt den Turm seines Gegners in eine ungedeckte Position locken und mit einem Läuferopfer auf h7 (Abzugsschach) den Turm gewinnen. Nach einem Abtausch des verbleibenden Turms drohte unabwendbares matt, was seinen Gegner zur Aufgabe veranlasste.

Am 8. Brett traf Ingo Riemann auf einen starken Iraner, der erst vor wenigen Tagen in den Schachverein der Mörlenbacher eingetreten war. Im Mittelspiel verlor Riemann einen Bauern und geriet unter starken Druck. Allerdings drohte er ständig matt auf der Grundreihe, was sein Gegner, der offensiv weiterspielte, anscheinend unterschätzte. Unter Ausnutzung dieser Drohung gewann Riemann zunächst den Bauern zurück und dann sogar noch den Läufer seiner Gegners, so dass dieser aufgeben musste.

Hoch zufrieden mit diesem Kantersieg fuhren die Bickenbacher in der Gewissheit nach Hause, noch nichts gewonnen zu haben. Den bereits am nächsten Spieltag (04.11.2018) wartet der Mitfavorit Bensheim 2. Dieses Duell wird eine Vorentscheidung um den Aufstieg bringen und zeigen, ob die Bickenbacher weiter von höheren Sphären träumen dürfen.